Das deutsch-schweizerische Künstlerduo Jojakim Cortis und Adrian Sonderegger bauen in ihrer Serie Icons seit 2012 Ikonen der Fotogeschichte als dreidimensionale Dioramen in ihrem Atelier nach. Die Modelle werden anschließend fotografiert. Dabei entstehen Bilder, die den Vorlagen bis aufs Haar zu gleichen scheinen.
Die bruchlose Illusion wird allerdings sofort unterlaufen, indem das Studiosetting und die Spuren des Arbeitsprozesses mit ins Bild geholt werden. Szenen, die sich tief ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben haben – die brennenden Twin Towers, Robert Capas fallender Milizionär im spanischen Bürgerkrieg oder Stuart Franklins Aufnahme des „Tank Man“ vom Tian’anmen Platz, 1990 mit einem World Press Photo Award ausgezeichnet – erheben sich zwischen Stativen, Softboxen, Stanleymessern und den Resten von Modellbausätzen.
Icons ist zugleich eine Hommage an die Fotogeschichte, eine humorvolle Aneignung ihrer Säulenheiligen und – in der doppelten Inszenierung von Motiv und Ateliersituation – Reflexion über die Funktionsweisen des Mediums. In Zeiten, in denen an zu vielen Orten mit alternativen Fakten hantiert wird, animieren die Bilder von Cortis & Sonderegger zum Nachdenken über die fragile Wahrheit der Fotografie, das Verhältnis von Authentizität und Konstruktion und die Bedeutung von Kontext und Perspektive.
Fabian Knierim für WestLicht - Schauplatz für Fotografie, Wien, 2018
www.cortissonderegger.ch
© Foto: Cortis & Sonderegger